Baugrunderkundung – Geotechnische Erkundung
Kocherufermauer, Schwäbisch Hall
Steckbrief
Menge Bohrungen: 24
Bohrverfahren: Schappenbohrung DN 178 mm, Rotationskernbohrung mit Doppelkernrohr DN 110 bis 146 mm
Endteufen: 3 m bis 20 m
Geologie: Auffüllungen, Hangschutt, Oberer Muschelkalk, verkippt und zerklüftet
HIGHLIGHTS
- 8 Kernbohrungen in die Ufermauer
- Einsatz einer schwebenden Arbeitsplattform
- Arbeiten im FFH-Schutzgebiet mit Denkmalschutzauflagen
Projektbeschreibung
Baugrund- und Mauerwerkserkundung Kocherufermauer, Schwäbisch Hall
Die Kocherufermauer entlang der Unterlimpurger Straße und der Haalsteige in Schwäbisch Hall soll auf rund 400 m Länge instand gesetzt werden. Die Mauer verläuft am nördlichen Talrand des Kochers und wächst von etwa 3 m im westlichen Abschnitt auf über 13 m im Bereich der Haalsteige an. Zur Vorbereitung der Instandsetzung wurde eine kombinierte Baugrund- und Mauerwerkserkundung durchgeführt.
Projektziel
Ziel war die Erkundung von Baugrund und Bauwerk in einer Maßnahme: 24 Aufschlüsse mit insgesamt 232 Bohrmetern zur Ermittlung der Schichtenfolge, der Grundwasserverhältnisse und des inneren Aufbaus der Ufermauer.
Geologie und Hydrogeologie
Baugrund: örtlich mächtige Auffüllungen aus der Hinterfüllung der Stützmauer sowie Hangschutt und Hanglehm
Festgestein: Oberer Muschelkalk, durch Auslaugungsprozesse im Mittleren Muschelkalk häufig verkippt und verstürzt, stark zerrüttet und zerklüftet, örtlich mit Hohlräumen und Dolinen
Grund- und Schichtwasserzutritte ab 5 m bis 13 m unter Gelände, der Grundwasserstand ist auf den Kocher als Vorfluter eingestellt
Mauerwerk: Kalksteinblöcke mit dünnen Mörtelfugen
Projektherausforderungen
Die Zugänglichkeit bestimmte die gesamte Ausführung. Am Fuß der Mauer verläuft im westlichen Abschnitt nur eine schmale Berme, deren Breite stark variiert und die nach Osten ausläuft. Darunter fällt das Gelände geböscht und bewachsen zum Kocher ab. Im Abschnitt der Haalsteige reicht die Mauer bis in den Kocher hinab, eine Berme besteht dort nicht. Anfahrbar sind die Bohrpunkte auf der Uferseite nicht.
Die übrigen Aufschlüsse liegen im Fahrbahnbereich der Unterlimpurger Straße und der Haalsteige, bei laufendem Anlieger-, Liefer- und Rettungsverkehr. Die Haalsteige ist für den dauerhaften Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Hinzu kamen die Auflagen aus dem FFH-Schutzgebiet der Uferbereiche, der Baumschutz nach DIN 18920, die Vorgaben des Denkmalschutzes für die Mauerwerkserkundung sowie eine wasserrechtliche Erlaubnis.
Gerätetechnik und Logistik
Für die horizontalen Kernbohrungen in die Ufermauer kam eine schwebende Arbeitsplattform zum Einsatz, aufgehängt an einem Kranausleger. Von dieser Plattform aus wurden die Bohrungen 2 m bis 5 m oberhalb des talseitigen Mauerfußes angesetzt. Die Bohrpunkte im Fahrbahnbereich wurden konventionell angefahren, die eingesetzten Geräte waren auf die eingeschränkte Durchfahrt abgestimmt.
Technische Umsetzung
Aufschlüsse gesamt: 24 Ansatzpunkte, 232 Bohrmeter
Baugrundbohrungen: 8 vertikale Kernbohrungen mit Tiefen bis etwa 20 m, 4 geneigte Kernbohrungen unter 15° aus der Vertikalen mit Einzeltiefen zwischen 6 m und 20 m
Mauerwerksbohrungen: 4 vertikale Kernbohrungen bis 6 m Tiefe, 8 horizontale Kernbohrungen von der Uferseite aus mit jeweils rund 3 m Tiefe
Bohrverfahren Baugrund: Rammkernbohrung mindestens DN 146 im rammbaren Untergrund, im Fels Rotationskernbohrung mit Doppelkernrohr DN 110 bis 146 mm
Bohrverfahren Mauerwerk: Rotationskernbohrung mit Doppelkernrohr über DN 80
Spülung: Trinkwasser ohne Spülungszusätze nach DVGW W 116
Probendurchmesser: mindestens 101 mm im Baugrund, mindestens 70 mm im Mauerwerk
Kerngewinn: mindestens 90 Prozent, im Lockergestein 100 Prozent der Kernstrecke
Dokumentation und Verfüllung
Alle Bohrungen wurden nach DIN EN ISO 22475-1 dokumentiert, die Bohrkerne tiefengerecht in Kernkisten aus Holz ausgelegt, gewaschen und farbgetreu fotografiert. Die Bohrparameter, Wasserzutritte und Wasserstände wurden kontinuierlich aufgezeichnet und grafisch dargestellt. Die Bohrlöcher wurden mit sulfatbeständiger Zement-Bentonit-Suspension im Kontraktorverfahren verfüllt, die horizontalen Mauerwerksbohrungen mit Mörtel verschlossen und die Maueroberfläche wiederhergestellt.
Ergebnis
Die Aufschlüsse liefern eine vollständige Datenbasis über Schichtenfolge, Grundwasserverhältnisse und den inneren Aufbau der Ufermauer. Damit steht die Grundlage für die Planung der Instandsetzung zur Verfügung.
Ihr Ansprechpartner
Geschäftsführer
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