Spezialtiefbau – Mikropfähle
Nachgründung am Ulmer Tor, Biberach an der Riß
Steckbrief
Durchmesser: 250 mm
Tiefe: 11 m bis 12,5 m
Arbeitshöhe: 2,21 m Vortor / 2,60 m Turm
Geologie: Auffüllung, Sandanmoor, Terrassensand, Niederterrassenschotter, gespanntes Grundwasser
HIGHLIGHTS
- Bohren unter 2,21 m Arbeitshöhe
- Nagelfluh-Blöcke erschütterungsarm durchbohrt
- Denkmalschutz: historische Spickpfähle bleiben unbeschädigt
- Verrohrte Drehbohrung abweichend Zulassung Z-34.14-209
Projektbeschreibung
Mikropfähle unter dem Ulmer Tor in Biberach
Das Ulmer Tor in Biberach stammt aus dem 14. Jahrhundert und steht auf einer historischen Spickpfahlgründung. Nach rund 700 Jahren ist das Holz vermorscht, der Turm neigt sich westwärts in Richtung Altstadt. Im Auftrag der Stadt Biberach an der Riß führen wir die Nachgründung mit Mikropfählen System Ischebeck TITAN aus.
Projektziel
Ziel war die Neugründung von Turm und östlichem Vortor auf 28 Bauwerkspfählen plus Probepfählen. Die Lasten des denkmalgeschützten Bauwerks werden künftig in die tragende Kiesschicht abgetragen. Geforderte Nutzungsdauer: 100 Jahre.
Geologie und Hydrogeologie Baugrund
Auffüllung bis 2,5 m, darunter Sandanmoor bis ca. 4 m, gefolgt von Terrassensanden und Niederterrassenschotter als tragende Kiesschicht. Bestandsfundament aus massiven Nagelfluh-Blöcken bis 60 cm Kantenlänge. Grundwasser gespannt unter der Sandanmoorschicht, Anstieg beim Durchbohren ca. 1,2 m.
Projektherausforderungen
Die lichte Kämpferhöhe in der Tordurchfahrt bestimmte die Gerätewahl – 2,60 m im Turm, 2,21 m im Vortor – und erforderte den Einsatz des kompakten Kleinbohrgeräts HD70. Die historischen Spickpfähle stehen unter Denkmalschutz und dürfen durch das Bohrverfahren nicht beschädigt werden. Die massiven Nagelfluh-Blöcke im Fundamentmauerwerk waren erschütterungsarm zu durchbohren. Bohraushub wurde am Ansatzpunkt gefasst, Spülüberschusswasser kontrolliert abgeführt. Der Bauablauf erfolgte abschnittsweise im Pilgerschrittverfahren über eine Baustellenvorhaltung von 50 Wochen, mit zwischenzeitlicher Räumung und Wiedereinrichtung der Baustelle zum Biberacher Schützenfest im Juli 2026.
Technische Umsetzung
Bohrverfahren: verrohrte Drehbohrung, erschütterungsarm
Bohrdurchmesser: DN 250
Pfahlsystem: 28 Mikropfähle Ischebeck TITAN 103/78, knicksicher Längen: 11 bis 12,5 m
Einbindetiefe: 8,5 m (Turm) bzw. 7,0 m (Vortor) in die Kiesschicht
Verpresskörper: Zementmörtel, fk = 35 N/mm², w/z 0,4–0,5 Nachverpressung über Schlauch im Ringraum, ca. 4.500 kg Zementsuspension
Prüflast Probepfähle: 1.450 kN
Abweichend vom Standardverfahren der Zulassung Z-34.14-209 wurde eine verrohrte Drehbohrung nach DIN EN 14199 und DIN SPEC 18539 ausgeführt. Die Abweichung wurde von Prüfingenieur, Tragwerksplaner und Hersteller als nicht wesentlich eingestuft.
Ergebnis
Trotz minimaler Platzverhältnisse, Denkmalschutz und sensibler Bestandsgründung wurde die Nachgründung sicher hergestellt.
Ihr Ansprechpartner
Geschäftsführer
Tel.: +49 7304 9602 – 33
E-Mail: j.ritter@geo-bohr.de
